Shatiel hat geschrieben:Hei,
Ich war letztens zum ersten Mal in Norwegen und es kam mir so vor als würden alle dort Deutsch und Englisch sprechen. Dann würde ZB der Übersetzer oder Dolmetscher Beruf flach fallen.
LG
Wenn Dich der Beruf des Dolmetschers und/ oder Übersetzers interessiert, solltest Du Dich ruhig darüber informieren. Ich selber bin in dieser sehr interessanten Branche tätig und kann nur sagen: Das Deutsch bzw. Englisch, dass viele Norweger möglicherweise gut können, betrifft den Beruf des Dolmetschers und Übersetzers nicht. Was Du meinst, ist vermutlich das eher alltägliche Sprechen.
In der Branche musst Du sehr spezifische Fachtexte übersetzen können, etwa im technischen oder juristischen Bereich, jedenfalls wenn Du entsprechend gut verdienen willst. Da kann dann schon mal eine komplexe Bedienungsanleitung für eine CNC-Fräsmaschine auf Deinem Schreibtisch landen, deren Funktion und Vokabular so schwierig ist, dass man nicht mal eben Übersetzungsvorschläge in Wörterbüchern findet - gerade im Norwegischen ist das utopisch, da muss man weitreichende Fachkenntnisse haben, um den Inhalt wirklich in die andere Sprache übersetzen zu können.
Um diese Fachsprachen zu erlernen, solltest Du einen guten Hochschulstudiengang als Dolmetscher und/ oder Übersetzer wählen, der Dich sowohl sprachlich als auch fachlich auf diesen sehr anspruchsvollen Beruf vorbereitet. In Deutschland ist der NC an den interessanten Hochschulen hoch, da es sehr viele Bewerber und nur wenige Studienplätze gibt. Wie es in Norwegen ist, weiß ich leider nicht.
Ferner solltest Du bedenken, dass man im dem Bereich meistens als Freiberufler und damit als Unternehmer tätig ist. Es ist eben, zumindest in Deutschland, eine klassischer Freiberufler-Branche wie bei den Ärzten, Architekten oder Anwälten. Nicht jeder ist zum Unternehmer geboren, daher solltest Du Dir darüber frühzeitig Gedanken machen.
Klar ist also: Die sprachliche Begeisterung macht im Studium und insbesondere im Beruf nur ein Drittel aus. Die beiden anderen wesentlichen Anteile sind unternehmerische Fähigkeiten und profunde fachliche Kenntnisse in Bereichen wie Recht, Technik, Informatik (Software-Lokalisierung ist auch so ein Wachstumsmarkt).
Gemeinsprachliche Inhalte sind dagegen in der Branche kein eigenständiger und damit auch kein lukrativer Bereich. Soll heißen: Alltagstexte oder journalistische Texte werden so gut wie gar nicht übersetzt. Wenn doch, dann werden sie oft deutlich schlechter als die genannten Bereiche bezahlt. Noch schlechter sieht es im literarischen Bereich aus. Da die meisten Buch-Autoren schon an der Armutsgrenze sind, erhalten die Literatur-Übersetzer dementsprechend zumeist auch nur eine sehr geringe Entlohnung.
Sollte das Sprachliche deutlich im Vordergrund stehen, könntest Du Dich vielleicht in Richtung Deutsch als Fremdsprache orientieren. Ich weiß nicht, wie der Bedarf in Norwegen ist, aber hier in Deutschland ist so mancher Ausländer mit gutem Hochschulabschluss als sehr passabel bezahlter Sprachlehrer an Unis oder Sprachschulen untergekommen, also durchaus auch im Bereich Erwachsenenbildung.
Also, vielleicht helfen Dir die Einblicke ja weiter.
Viele Grüße
Svensson